IPHIGENIE IM TRAUERLAND (UA)
nach „Iphigenie im Tauerland“ von Euripides

Text & Regie                          Kostas Papakostopoulos
Bühnenbild & Kostüme          Zezo Dinekov
Musikkomposition                  Herbert Mitschke
Videoinstallation                     John David Seidler

Nach dem erfolgreichen Gastspiel „Europa“ von Lars von Trier im vergangenen Jahr in der Nationaloper von Athen präsentiert unser Ensemble in diesem Jahr „Iphigenie im Trauerland“ nach „Iphigenie im Tauerland“ von Euripides. Die Inszenierung, die mit großem Erfolg im Kölner Urania Theater uraufgeführt wurde, wird im Rahmen des siebzigjährigen Jubiläums des Goethe Instituts in Athen als Gastspiel vorgestellt werden: Am 07. und 08. Oktober 2022 wird das Stück in der renommierten Michael Cacoyannis Foundation mit griechischer Übertitelung aufgeführt. Die Veranstaltung findet mit der freundlichen Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Köln und des Außenministeriums Griechenlands statt.

„Danach ist nichts mehr wie vorher!“ So sah unsere Realität der letzten zwei Jahre während der Corona-Pandemie aus – und der nächste Winter steht noch bevor! Der Virus forderte die Gesellschaft, spaltete sie, stellte unsere bisherigen Werte in Frage, und stürzte uns dabei in eine nie dagewesene Unsicherheit. Im Lichte dieser aktuellen Lage präsentierte unser Theater im letzten Winter die Uraufführung „Iphigenie im Trauerland“, inspiriert von Euripides’ „Iphigenie im Tauerland“, konzipiert und inszeniert von Kostas Papakostopoulos.

Trauerland, ein Alptraumland! Eine schreckliche Seuche ist ausgebrochen mit unermesslichen Folgen für das ganze Volk. Die Triage als trauriges Verfahren im verzweifelten Kampf gegen das Virus fordert ihre Opfer: Fremde, Alte und Kranke – der „unproduktive“ Teil der Bevölkerung. Iphigenie, eine Fremde, muss als Pflegerin im Tempel der Göttin Artemis – einem Krankenlager – pausenlos über menschliches Leben entscheiden. Voller Kummer sehnt sie sich nach der weit entfernten Heimat, nach dem geliebten Bruder Orest, nach der verlorenen Freiheit. Die unerwartete Erscheinung von Orest weckt neue Hoffnung. Der Überlebenswille führt die beiden Geschwister zu der gewagten Entscheidung aus dem Trauerland zu fliehen. Doch wie die zahlreichen Überwachungsmechanismen des Landes überlisten? Ein Land, dessen oberste Prämisse es ist, verantwortungsvoll für die Bürger zu sorgen. Ein Land, gezwungen immer wieder neu zu entscheiden zwischen Gesundheit, Sicherheit und Freiheit. Kann den beiden Geschwistern das Unmögliche gelingen?

Papakostopoulos‘ neue Fassung reduziert die Personen aus Euripides Tragödie vor allem auf die zwei Protagonisten Iphigenie und Orest sowie auf die sogenannte Stimme des Staates. Die beiden Geschwister verkörpern den Wunschtraum aller jungen Menschen nach Sinnlichkeit, Nähe und letztendlich nach Freiheit, in Zeiten, in denen es realistischer Weise keinen Weg zur Freiheit geben kann.

Herbert Mitschkes Musikkomposition und die Videokulissen von John David Seidler schaffen einen mythischen Bild- und Klangraum, in dem sich die zwei Protagonisten wiederfinden und gemeinsam auf eine riskante Reise Richtung Freiheit begeben In Zeiten, in denen immer wieder neue Mutationen des Virus ausbrechen, möchten wir unseren Frust, den Frust der Trauerländer, durch dieses utopische Märchen auf der Bühne in zauberhafter Weise zumindest für kurze Zeit auflösen!

Dauer der Aufführung: 75 Minuten ohne Pause
Michael Cacoyannis Foundation – Peiraios 206,Tavros, 177 78