DER FALL WOYZECK
von Kostas Papakostopoulos
nach Georg Büchner
Das Jahr 2025 war für das DGT ein Besonderes: Unser Theater feierte sein 35-jähriges Bestehen und schrieb damit als ältestes freies Theater-Ensemble ein Stück Kölner Stadtgeschichte. Anlässlich dieses Jubiläums präsentierten wir im letzten Herbst die Uraufführung von DER FALL WOYZECK von Kostas Papakostopoulos, inspiriert von einem der einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur.
„Jeder Mensch ist ein Abgrund.“ Diese Worte aus Woyzeck sind heute aktueller denn je. Was geschieht, wenn Woyzeck kein Soldat, sondern ein Fremder ist – gestrandet in einer Welt, die ihn zunächst wohlwollend empfängt, ihn aber nicht wirklich versteht? Und was passiert, wenn die „Einheimischen“ sich selbst als hilfsbereit sehen, aber von ihrem eigenen Alltag überfordert sind? Lässt sich der Teufelskreis von Unterdrückung und Gewalt durchbrechen – oder sind wir alle nur Gefangene eines Systems, das wir nicht begreifen? Die Inszenierung wirft einen neuen Blick auf Büchners Fragment und hinterfragt bestehende Machtverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen.
Regisseur Kostas Papakostopoulos schreibt Büchners Stoff neu, verlegt die Handlung ins heutige Köln und macht Woyzeck zu einem Fremden, der mit staunendem Blick auf eine Gesellschaft trifft, die an ihrer eigenen Überforderung zu scheitern droht. Eine Welt, die Offenheit predigt, aber in Wahrheit ausgrenzend bleibt. Die Musik von Herbert Mitschke und die Videokulissen von John Seidler erschaffen einen Klang- und Bildraum für Woyzecks kafkaeske Reise auf der Suche nach Glück und Anerkennung. Es entsteht ein interdisziplinäres Theaterprojekt an der Schnittstelle von Schauspiel, Video und Musik.
Der Regisseur, der vor allem durch seine Auseinandersetzungen mit dem antiken Drama seiner griechischen Heimat in Köln bekannt wurde, widmet sich anlässlich des 35. Jubiläums des DGT dem Thema Fremdsein und beleuchtet diesen deutschen Klassiker als einen Appell, über die Grenzen der eigenen Weltsicht hinauszublicken und die Bedingungen zu hinterfragen, die unser Zusammenleben prägen.
In Kooperation mit dem COMEDIA Theater und der Alten Feuerwache Köln
PRESSESTIMMEN zu DER FALL WOYZECK
„Regisseur Kostas Papakostopoulos und sein Deutsch-Griechisches Theater, das 35. Geburtstag feiert, haben leichtes Spiel, um Aktualität über fast 200 Jahre hinweg zu Georg Büchners „Woyzeck“ herzustellen. Dessen Protagonisten treten anders als im Original nicht als Soldaten, sondern als Gastarbeiter auf. (…) Der Firnis der Zivilisation ist schnell abgekratzt. Das zeigt Papakostopoulos hart und treffend in einer Szene, in der Antonis von einer johlenden Party-Gesellschaft Tiermasken aufgesetzt bekommt. (…) Anderes spitzt Papakostopoulos auf interessante Weise zu, wie etwa die Rolle der Marie (Stephanie Meisenzahl). Woyzecks Gefährtin führt bei Büchner eher ein Schattendasein, während sie nun als hedonistische, aber selbstbewusste dem Untergang entgegen taumelnde Frau Konturen erhält.“
Kölnische Rundschau, 04.11.2025
„Regisseur Kostas Papakostopoulos hat seine Inszenierung nach Köln verlegt. Im Hintergrund werden verschiedene Orte aus Köln auf eine große Leinwand projiziert und in die Handlung mit eingebunden. Was freudig und vertrauensvoll anfängt, entwickelt sich immer mehr zum Abgrund hin. Bis Marie ins offene Messer läuft, welches Woyzeck ihr entgegenstreckt. War es Zufall? Ein schwelendes Grauen liegt in der Luft, alle Fröhlichkeit kann dies nicht überspielen. Zwischen den Zeilen fragt man sich, wie es denn wirklich um unsere Willkommenskultur steht.“
Rheinkultur, 11.11.2025
„Das Deutsch-Griechische-Theater holt Georg Büchners „Woyzeck“ ins heutige Köln und zeigt das Dramenfragment aus migrantischer Perpsketive. (…) Immer wieder gelingt es der Inszenierung von Kostas Papakostopoulos, die Unbehaustheit in der Fremde spürbar zu machen. Demgegenüber steht die mal unverhohlene, mal unterschwellige Aggressivität der Einheimischen, die sich infrage gestellt fühlen und mit arroganter Abgrenzung und Gewalt reagieren. (…) Ein inszenatorischer Kniff, der rassistische Muster offenlegt.“
Kölner Stadtanzeiger, 30.01.2026
„Der Regisseur Kostas Papakostopoulos, der über große Erfahrung mit modernen Interpretationen des Stoffes der antiken griechischen Mythen verfügt, feiert in diesem Jahr das 35-jährige Bestehen des Deutsch-Griechischen Theaters Köln mit einer Bearbeitung des sozialen Dramas „Woyzeck“ von Georg Büchner. (…) Antonis Michalopoulos, der den Woyzeck verkörpert, schafft es, die Rolle des Schwachen, der kämpft und leidet, eindrucksvoll zu gestalten: Er läuft wie eine Marionette in den Strudel hinein, ringt nach Luft und hat dabei einen unverstellten Blick, in dem immer wieder der Funke des Wahnsinns aufblitzt.“
Deutsche Welle, 09.11.2025











